Klassische Förderprogramme passen oft nicht zur Realität moderner Gründungsteams: Mal fehlt es an Geld für den Lebensunterhalt, mal an Beratung, mal an Mitteln für den ersten Markteintritt. push! Hessen geht einen anderen Weg und kombiniert mehrere Förderbausteine in einem Programm, das individuell auf das jeweilige Vorhaben angepasst wird.
Damit ist push! gleichzeitig ein Vorgründungsprogramm und eine Wachstumshilfe. Hessen bündelt darin alle wichtigen Instrumente seiner Gründungsförderung mit Ausnahme der klassischen Förderkredite, die separat über die WIBank laufen.
Dieser Artikel erklärt die einzelnen Bausteine, die Antragsabläufe und die typischen Förderkonstellationen.
Was ist push! Hessen?
push! Hessen ist eine Initiative des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Es bündelt das frühere Hessen-Stipendium mit weiteren Bausteinen wie Beratungsgutscheinen, Sachkostenzuschüssen und Coaching-Modulen unter einem gemeinsamen Dach.
Verwaltet wird das Programm von einer Geschäftsstelle, die als zentrale Anlaufstelle für hessische Start-ups und junge Unternehmen fungiert. Antragsteller durchlaufen ein Erstgespräch, in dem die passenden Förderbausteine identifiziert werden.
Träger und Geschäftsstelle
Förderprogramm des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Operative Umsetzung durch die Geschäftsstelle push! Hessen. Aktuelle Informationen, Erstberatungstermine und Antragsformulare finden Sie auf push.hessen.de.
Welche Bausteine umfasst push!?
push! kombiniert mehrere Förderelemente, die sich in vier Hauptbausteine gliedern lassen. Die genaue Zusammensetzung wird im Erstgespräch festgelegt.
- Start-up Stipendium: Existenzsicherung in der Vorgründungsphase
- Beratungsgutscheine: Externe Berater für Recht, Steuer, Marketing oder Patente
- Sachkostenzuschüsse: Prototypen, Pilotprojekte, Markteintritt
- Coaching und Mentoring: Begleitung durch erfahrene Unternehmer
- Vernetzung und Veranstaltungen: Pitch-Tage, Investoren-Events, Workshops
- Scale-up-Modul: Wachstumshilfen für junge Unternehmen mit Marktreife
Modulare Förderung individuell zuschneiden
Anders als bei klassischen Programmen entscheidet das Gründungsteam gemeinsam mit der Geschäftsstelle, welche Bausteine sinnvoll sind. Wer bereits ein Start-up gegründet hat und schnell wachsen will, kombiniert oft Beratung mit Sachkostenzuschüssen für den Markteintritt; Frühphasen-Teams nutzen typischerweise Stipendium plus Coaching.
Wer ist antragsberechtigt?
push! Hessen ist breiter aufgestellt als reine Hochschulprogramme. Antragsteller müssen einen Hessenbezug nachweisen und ein klares Innovationspotenzial mitbringen.
- Sitz oder geplante Niederlassung des Unternehmens in Hessen
- Innovative Geschäftsidee mit Skalierungspotenzial
- Frühe Phase: noch nicht gegründet oder vor maximal drei Jahren
- Tragfähiges Geschäftsmodell (auch in Entwicklung)
- Vollständiges Gründungsteam (Einzelgründer ebenfalls möglich)
- Bereitschaft zur Teilnahme an Erstgespräch und Coaching
Klassische Geschäftsmodelle ausgeschlossen
Reine Einzelhandels-, Gastronomie- oder Handwerksgründungen ohne Innovationscharakter sind in der Regel nicht förderfähig. Auch klassische Online-Shops oder Beratungsdienstleistungen ohne Tech-Komponente werden ausgeschlossen. Für solche Vorhaben kommen stattdessen Gründungszuschuss, Einstiegsgeld oder Mikrodarlehen der WIBank in Frage.
Wie hoch ist die Förderung?
Die Höhe richtet sich nach den genutzten Bausteinen. Maximal sind 40.000 Euro pro Vorhaben drin, in der Praxis liegen die Förderungen meist zwischen 10.000 und 25.000 Euro.
| Baustein | Maximalbetrag | Verwendung | Laufzeit |
|---|---|---|---|
| Start-up Stipendium | individuell | Lebenshaltung Vorgründungsphase | bis 12 Monate |
| Beratungsgutscheine | bis 5.000 Euro | externe Berater (Recht, Steuer, IP) | einmalig |
| Sachkostenzuschuss | bis 25.000 Euro | Prototyp, Markteintritt, Marketing | projektbezogen |
| Coaching und Mentoring | kostenfrei | individuelle Begleitung | bis 24 Monate |
| Maximale Gesamtförderung | bis 40.000 Euro | Kombination aller Bausteine | individuell |
Die genaue Konstellation wird in einem Förderplan festgehalten, der gemeinsam mit der Geschäftsstelle entwickelt wird. Über den Förderplan hinaus sind Anpassungen während der Laufzeit möglich, sofern sich die Bedarfslage ändert.
Wie verläuft die Antragstellung?
Der Prozess startet mit einem Erstgespräch und wird gemeinsam mit der Geschäftsstelle entwickelt. Anders als bei reinen Stipendien gibt es keine festen Bewerbungsfristen.
- 1
Erstgespräch mit der Geschäftsstelle vereinbaren
Kontaktieren Sie die Geschäftsstelle push! Hessen über push.hessen.de und vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch. Dabei werden Vorhaben, Phase und Bedarf besprochen sowie passende Bausteine identifiziert.
- 2
Förderplan gemeinsam entwickeln
Mit der Geschäftsstelle erstellen Sie einen Förderplan, der die genutzten Bausteine, die voraussichtliche Höhe und den Zeitplan festhält. Der Förderplan ist die Grundlage für den späteren Bewilligungsbescheid.
- 3
Vollständigen Antrag einreichen
Auf Basis des Förderplans reichen Sie den formellen Antrag mit allen erforderlichen Unterlagen (Konzept, Lebenslauf, Geschäftsmodell, Finanzplan) bei der Geschäftsstelle ein. Die Geschäftsstelle prüft Vollständigkeit und Plausibilität.
- 4
Bewertung durch Auswahlteam
Ein Auswahlteam aus Wirtschaftsexperten, Gründern und Investoren bewertet das Vorhaben. Bei größeren Förderbeträgen folgt zusätzlich ein Pitch oder ein persönliches Gespräch. Die Entscheidung erfolgt zeitnah, in der Regel innerhalb von sechs bis acht Wochen.
- 5
Bewilligung und Umsetzungsbegleitung
Bei positiver Entscheidung erhalten Sie einen Bewilligungsbescheid. Die einzelnen Bausteine werden gestaffelt ausgezahlt, je nach Meilensteinen und Belegen. Die Geschäftsstelle begleitet die Umsetzung und passt den Förderplan bei Bedarf an.
Welche Anschlussförderungen schließen an?
Nach Abschluss des push!-Programms stehen klassische Anschlussförderungen offen. Hessen kombiniert dabei eigene Programme mit Bundesförderung und privaten Investoren.
Mögliche Anschlussstationen
WIBank-Förderkredite und Mikrodarlehen, Bürgschaftsbank Hessen für Sicherheiten, MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen für stille Beteiligungen, ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW und INVEST-Zuschuss für Wagniskapital. Die Geschäftsstelle push! vermittelt aktiv an die richtigen Stellen.
Häufige Fragen zu push! Hessen
Wie hoch ist die push! Förderung in Hessen?
Im Rahmen von push! Hessen sind Förderungen bis zu 40.000 Euro pro Vorhaben möglich. Die exakte Höhe hängt vom Förderbaustein ab: Stipendien, Sachkostenzuschüsse, Beratungsförderung und Coaching werden je nach Bedarf kombiniert. Anders als bei klassischen Stipendien ist push! ein modulares Programm, das individuell auf das Gründungsvorhaben zugeschnitten wird.
Wer kann push! Hessen beantragen?
Antragsberechtigt sind innovative Gründungsteams und junge Unternehmen mit Sitz oder geplanter Niederlassung in Hessen. Das Programm richtet sich sowohl an Start-ups in der Vorgründungsphase als auch an junge Unternehmen, die in die Wachstumsphase eintreten. Zielgruppen sind insbesondere Tech-, Digital- und Nachhaltigkeitsgründungen.
Was unterscheidet push! Hessen vom Hessen Ideen Stipendium?
Hessen Ideen ist primär für Hochschulangehörige in der Vorgründungsphase gedacht und zahlt ein klassisches Stipendium über sechs Monate. push! Hessen ist breiter aufgestellt: Es deckt sowohl Start-up- als auch Scale-up-Phasen ab und kann mit größeren Beträgen, Coaching, Beratung und Sachmittelzuschüssen unterstützen. Die beiden Programme schließen sich nicht aus.
Welche Module umfasst push!?
push! ist ein Mehrkomponenten-Programm: Es gibt Stipendienzuschüsse für Gründungsteams, Beratungsgutscheine zur Inanspruchnahme externer Berater, Sachkostenzuschüsse für Prototypen, Marketingmaterial und Markteintritt sowie ein dauerhaftes Coaching durch Mentoren. Welche Module zum Einsatz kommen, wird in einem Erstgespräch festgelegt.
Wo läuft die Antragstellung?
Die Antragstellung läuft über die Geschäftsstelle push! Hessen, die im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums arbeitet. Erste Anlaufstelle ist push.hessen.de, dort gibt es eine Erstberatung und einen Überblick über die Förderbausteine. Bei komplexeren Vorhaben werden die Anträge gemeinsam mit der Geschäftsstelle entwickelt.
Welche Branchen werden bevorzugt gefördert?
push! Hessen fokussiert sich auf innovative Branchen wie Software und Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Life Science, Medizintechnik, Nachhaltigkeit und Cleantech sowie auf Sozialunternehmen mit nachweisbarem Innovationsbeitrag. Klassische lokale Geschäftsmodelle ohne Innovationscharakter sind in der Regel nicht förderfähig.
Welche Anschlussförderungen gibt es?
Nach push! Hessen können sich Gründungen um WIBank-Mikrodarlehen, Bürgschaften der Bürgschaftsbank Hessen, Beteiligungskapital aus dem hessischen MBG-Programm oder Bundes- und EU-Programme bewerben. Auch der HTGF (High-Tech Gründerfonds) und der INVEST-Zuschuss für Wagniskapital sind häufige Anschlussstationen.
