Der Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Ausbildung oder Beschäftigung ist für viele Jugendliche ein kritischer Moment. Brandenburgs dünn besiedelter ländlicher Raum, die Entfernung zu Betrieben und ein oft unübersichtliches Netz aus Beratungsangeboten erschweren diesen Übergang zusätzlich. Das Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf 2022" setzt genau hier an.
Seit dem 1. Juni 2017 nutzt das Land Brandenburg die Möglichkeit, an Oberstufenzentren Lokale Koordinierungsstellen einzurichten, die den Übergang von der Schule in den Beruf strukturiert begleiten. Die aktuelle Programmversion „2022" läuft in der EU-Förderperiode 2021–2027 und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) und des Landes Brandenburg kofinanziert.
Im Folgenden erfahren Sie, was die Koordinierungsstellen leisten, wer Ansprechpartner ist, wie das Programm in das Gesamtsystem der beruflichen Orientierung in Brandenburg eingebettet ist und welche ergänzenden Förderungen es gibt.
Ziele des Programms
Das Programm verfolgt drei übergeordnete Ziele, die eng miteinander zusammenhängen:
Erstens soll die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden, durch projektbasierte Verbesserung sozialer und personaler Kompetenzen. Zweitens soll eine Lotsenfunktion erfüllt werden: Die Koordinierungsstellen schaffen eine transparente Übersicht über lokale Beratungs- und Informationsangebote und helfen so, die für den Einzelnen passende Unterstützung zu finden. Drittens sollen Ausbildungsabbrüche verhindert werden, durch frühzeitige Begleitung und Intervention.
Konkrete Aufgaben der Lokalen Koordinierungsstellen:
- Projektbasierte Förderung sozialer und personaler Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern
- Vernetzung von Schulen, Betrieben, Beratungsstellen und außerschulischen Partnern vor Ort
- Lotsenfunktion: Übersicht über regionale Beratungs- und Informationsangebote
- Unterstützung bei der Berufswahl und der Vorbereitung auf Bewerbungsverfahren
- Begleitung beim Übergang in Ausbildung und Sicherung nachhaltiger Eingliederung
- Kooperation mit den PraxisBO-Regionalpartnern für abgestimmte Übergänge aus der Sekundarstufe I
Standorte: Oberstufenzentren in den Landkreisen
Die Lokalen Koordinierungsstellen befinden sich direkt an den Oberstufenzentren (OSZ) des Landes Brandenburg. Die OSZ sind die zentralen Einrichtungen der beruflichen Bildung in den jeweiligen Landkreisen und kreisfreien Städten. Durch die unmittelbare Ansiedlung der Koordinierungsstellen an diesen Schulen können Schülerinnen und Schüler niedrigschwellig Unterstützung erhalten.
Jede Koordinierungsstelle ist für das Gebiet ihres Landkreises oder ihrer kreisfreien Stadt zuständig und arbeitet mit den örtlichen Betrieben, der Bundesagentur für Arbeit, den Jobcentern und weiteren Beratungsstellen zusammen. Die genauen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner an den einzelnen OSZ sind beim MBJS und auf den jeweiligen Webseiten der Landkreise einsehbar.
Schaubild und Übersicht
Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg (MBJS) stellt ein Schaubild zum Gesamtsystem des Programms „Türöffner: Zukunft Beruf" bereit. Es zeigt, wie die Koordinierungsstellen in das Bildungssystem und die regionalen Netzwerke eingebettet sind. Das Schaubild ist auf der MBJS-Webseite unter mbjs.brandenburg.de abrufbar.
Programmeckdaten im Überblick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Programmname | Türöffner: Zukunft Beruf 2022 |
| Zuständiges Ministerium | MBJS (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg) |
| Finanzierung | ESF Plus und Land Brandenburg |
| Förderperiode | EU-Förderperiode 2021–2027 |
| Programmstart (Erstversion) | 1. Juni 2017 |
| Standorte | Oberstufenzentren (OSZ) in den Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs |
| Rechtsgrundlage | Richtlinie zur Förderung von Lokalen Koordinierungsstellen an OSZ (bravors.brandenburg.de) |
| Kooperation | PraxisBO-Regionalpartner, Bundesagentur für Arbeit, Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft Brandenburg e. V. |
Wer wird unterstützt und was ist der Ablauf?
Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufenzentren im Land Brandenburg. Dazu zählen sowohl diejenigen, die sich im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) befinden, als auch Jugendliche in der beruflichen Grundbildung und in beruflichen Qualifizierungsprozessen.
Der Weg zur Unterstützung durch die Koordinierungsstelle ist bewusst niedrigschwellig gehalten:
- 1
Kontaktaufnahme
Schülerinnen und Schüler sprechen direkt die Koordinierungsstelle an ihrem OSZ an oder werden von Lehrkräften oder der Schulsozialarbeit weitervermittelt.
- 2
Bedarfsklärung
In einem ersten Gespräch werden die individuelle Situation und der konkrete Unterstützungsbedarf geklärt. Dabei geht es sowohl um berufliche Ziele als auch um eventuelle Hemmnisse.
- 3
Projektbasierte Förderung
Durch praxisorientierte Projekte werden soziale und personale Kompetenzen gestärkt: Teamarbeit, Selbstpräsentation, Zuverlässigkeit, Kommunikation.
- 4
Vernetzung und Lotsenfunktion
Die Koordinierungsstelle leitet bei Bedarf weiter: zu Beratungsstellen der Bundesagentur für Arbeit, zu Jobcentern, zu betrieblichen Ansprechpartnern oder zu anderen Unterstützungsangeboten.
- 5
Übergangsbegleitung
Beim Übergang in Ausbildung, Beschäftigung oder weiterführende Bildung begleitet die Koordinierungsstelle aktiv und hilft, Abbrüche zu verhindern.
Einbettung in das Gesamtsystem der Berufsorientierung in Brandenburg
„Türöffner: Zukunft Beruf" ist nicht isoliert zu verstehen, sondern als Teil eines abgestuften Systems der beruflichen Orientierung in Brandenburg. Es baut inhaltlich auf dem auf, was das Programm PraxisBO in der Sekundarstufe I leistet: PraxisBO fördert die Berufswahlkompetenz und führt Schülerinnen und Schüler frühzeitig an die Berufswelt heran. Türöffner übernimmt diese Schülerinnen und Schüler an den OSZ und sichert den konkreten Übergang.
Ergänzend dazu gibt es auf Bundesebene die Assistierte Ausbildung (AsA flex), die Jugendliche mit besonderem Förderbedarf während einer Ausbildung begleitet. Diese kann nahtlos an die Übergangshilfe durch die Türöffner-Koordinierungsstelle anschließen.
Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft für Brandenburg e. V.
Das Netzwerk Zukunft ist ein wichtiger Kooperationspartner sowohl für PraxisBO als auch für Türöffner: Zukunft Beruf. Es vernetzt Schulen und Unternehmen in Brandenburg und unterstützt die inhaltliche Ausgestaltung von Berufsorientierungsangeboten.
ESF Plus: Rahmen und Ziele für Brandenburg 2021–2027
Im Land Brandenburg wird mit den ESF Plus-Förderprogrammen in der Förderperiode 2021–2027 das Ziel verfolgt, Beschäftigungsmöglichkeiten zu verbessern und Bildung, Fachkräftesicherung sowie Integration in Arbeit zu fördern. Der ESF Plus trägt damit auch zur Armutsbekämpfung und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts bei.
Das Programm „Türöffner: Zukunft Beruf 2022" reiht sich in diese übergeordneten Ziele ein: Durch die frühzeitige und systematische Begleitung beim Übergang Schule-Beruf sollen mehr Jugendliche einen qualifizierten Abschluss und eine stabile Beschäftigung erreichen und damit langfristig unabhängig von staatlichen Transferleistungen werden.
Programm nur in Brandenburg verfügbar
Das Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf 2022" ist ausschließlich im Land Brandenburg verfügbar. Andere Bundesländer haben eigene Programme für den Übergang Schule-Beruf. Bundesweite Instrumente wie die Assistierte Ausbildung (AsA flex) und das Berufsorientierungsprogramm (BOP) stehen dagegen bundesweit zur Verfügung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Programm „Türöffner: Zukunft Beruf 2022"?
Es ist ein ESF Plus-Landesprogramm des Landes Brandenburg (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, MBJS), das Lokale Koordinierungsstellen an Oberstufenzentren (OSZ) finanziert. Diese Stellen begleiten Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf und koordinieren lokale Akteure wie Betriebe, Beratungsstellen und Schulen.
An welchen Einrichtungen sind die Koordinierungsstellen angesiedelt?
Die Koordinierungsstellen befinden sich direkt an den Oberstufenzentren (OSZ) im Land Brandenburg. Das OSZ ist der zentrale Lernort für die berufliche Bildung in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Die direkte Ansiedlung dort sichert einen niedrigschwelligen Zugang für Schülerinnen und Schüler.
Seit wann gibt es das Programm?
Das Land Brandenburg nutzt die Fördermöglichkeit zur Einrichtung einer Lokalen Koordinierungsstelle am Übergang Schule-Beruf seit dem 1. Juni 2017. Die aktuelle Programmversion „Türöffner: Zukunft Beruf 2022" läuft in der EU-Förderperiode 2021–2027 und wird aus ESF Plus-Mitteln des Landes Brandenburg kofinanziert.
Was leisten die Lokalen Koordinierungsstellen konkret?
Die Koordinierungsstellen stärken die Ausbildungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler durch projektbasierte Verbesserung der sozialen und personalen Kompetenzen. Sie bieten eine Lotsenfunktion: eine transparente Übersicht über lokale Beratungs- und Informationsstellen. Außerdem helfen sie dabei, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.
Wer kann sich an die Koordinierungsstelle wenden?
Schülerinnen und Schüler der Oberstufenzentren im jeweiligen Landkreis können sich direkt an die Lokale Koordinierungsstelle wenden. Außerdem stehen die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter der Koordinierungsstellen als Ansprechpartner für Schulen, Betriebe und andere lokale Akteure zur Verfügung.
Wie hängt das Programm mit PraxisBO zusammen?
PraxisBO und Türöffner: Zukunft Beruf ergänzen sich systematisch: PraxisBO setzt in der Sekundarstufe I an und fördert die Berufswahlkompetenz, bevor Schülerinnen und Schüler an ein Oberstufenzentrum wechseln. Türöffner: Zukunft Beruf übernimmt die Begleitung an den OSZ und sichert den Übergang in Ausbildung und Beschäftigung.
Verwandte Förderungen
Quellen: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg (mbjs.brandenburg.de), Landkreis Havelland (havelland.de), Richtlinie „Türöffner: Zukunft Beruf 2022" (bravors.brandenburg.de), ESF Plus-Programm des Landes Brandenburg 2021–2027.
