EU-Gesundheitsprogramm

EU4Health 2021-2027: Das europäische Aktionsprogramm für Gesundheitsförderung

EU4Health ist das bislang umfangreichste EU-Förderprogramm im Bereich Gesundheit. Mit einem Budget von 4,4 Milliarden Euro soll es die Gesundheitssysteme in Europa stärken, Krisenvorsorge verbessern und die öffentliche Gesundheit nachhaltig fördern. Dieser Artikel erläutert Ziele, Förderthemen, Antragsverfahren und die Rolle der Durchführungsbehörde HaDEA.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laufzeit: 2021 bis 2027, Budget: rund 4,4 Milliarden Euro
  • Durchführungsbehörde: HaDEA (Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales)
  • Zielgruppen: Gesundheitsorganisationen, NGOs, Behörden aus EU und assoziierten Ländern
  • Themen: Krebsvorbeugung, Arzneimittelstrategie, Pandemievorsorge, Gesundheitspersonal
  • Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) 2021/522
Europäisches Gesundheitsprogramm-Treffen mit internationalen Forschern
Europäisches Gesundheitsprogramm-Treffen mit internationalen Forschern in professionellem Umfeld. Bild: KI generiert

Hintergrund und Entstehung von EU4Health

Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gezeigt, wie verletzlich nationale Gesundheitssysteme gegenüber grenzüberschreitenden Krisen sein können. Als Reaktion auf diese Erfahrung schuf die EU das Programm EU4Health, das auf der Grundlage der Verordnung (EU) 2021/522 errichtet wurde. Es bildet einen zentralen Baustein der angestrebten Europäischen Gesundheitsunion.

Gegenüber dem Vorgängerprogramm "Gesundheit für Wachstum" (2014 bis 2020) ist EU4Health erheblich umfangreicher aufgestellt. Die Europäische Kommission betont, dass öffentliches Gesundheitswesen eine Priorität der EU ist und Gesundheit als Investition verstanden werden muss.

Das Programm wird durch Jahresarbeitsprogramme umgesetzt, die die konkreten Förderprioritäten und Ausschreibungen für das jeweilige Haushaltsjahr festlegen. Im Jahr 2027 endet die aktuelle Programmperiode; die Europäische Kommission hat 2026 bereits eine Konsultation zur Ausrichtung eines Nachfolgeprogramms eingeleitet.

Die vier Programmziele im Überblick

EU4Health verfolgt vier übergeordnete Ziele, die durch zehn spezifische Unterziele operationalisiert werden:

  • Stärkung der Krisenvorsorge und Reaktionsfähigkeit der EU-Gesundheitssysteme
  • Verbesserung und Förderung der Gesundheit der EU-Bevölkerung, insbesondere durch Krebsprävention
  • Umsetzung der EU-Arzneimittelstrategie und Sicherung des Zugangs zu Arzneimitteln
  • Stärkung der Gesundheitssysteme, Verbesserung der Interoperabilität und Aufwertung des Gesundheitspersonals

Die praktische Umsetzung erfolgt durch Direktzuschüsse an Organisationen, Rahmenverträge mit Dienstleistern sowie die gemeinsame Finanzierung von Maßnahmen zusammen mit WHO, OECD und anderen internationalen Organisationen.

EU4Health und assoziierte Länder

Land / RegionStatusZugang zu EU-Mitteln
EU-Mitgliedstaaten (27)VollzugangJa, ohne Einschränkungen
Norwegen, Island (EFTA/EWR)AssoziiertJa, via EWR-Abkommen Protokoll 31
UkraineAssoziiertJa, via Assoziierungsabkommen
MoldauAssoziiertJa, via Assoziierungsabkommen
Montenegro, Bosnien-Herzegowina, SerbienAssoziiertJa, via Assoziierungsabkommen

Antragsverfahren und HaDEA als Durchführungsstelle

Die Europäische Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HaDEA) ist verantwortlich für die operative Umsetzung von EU4Health. Sie veröffentlicht alle Ausschreibungen und Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen auf ihrer Website sowie im EU-Förder- und Ausschreibungsportal.

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    Ausschreibungen verfolgen

    Aktuelle Calls for Proposals und Calls for Tenders werden auf hadea.ec.europa.eu veröffentlicht. Ein Besuch der Seite oder ein Newsletter-Abonnement empfiehlt sich für alle interessierten Organisationen.

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    Förderfähigkeit prüfen

    Antragstellende müssen ihre Förderfähigkeit anhand der Programmregeln prüfen. Nicht-EU-Einrichtungen sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern keine Assoziierung vorliegt. Gewinnorientierte Unternehmen sind in bestimmten Ausschreibungen zulässig, jedoch mit eingeschränkter Förderquote.

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    Antrag einreichen

    Anträge werden über das Funding and Tenders Portal eingereicht. Technische Unterstützung bietet die Nationale Kontaktstelle EU4Health (NKS EU4Health) unter nks-eu4health.de.

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    Evaluierung und Förderentscheidung

    Anträge werden nach Relevanz, Wirkung und Qualität der Umsetzung bewertet. Erfolgreiche Antragsteller erhalten eine Finanzhilfevereinbarung (Grant Agreement) mit HaDEA.

Schwerpunktthemen 2026

Das Jahresarbeitsprogramm 2026 setzt in den vier Themenbereichen folgende Prioritäten, die jeweils auch einen Krebsschwerpunkt umfassen:

  • Aufbau von Krisenreserven und Verbesserung der medizinischen Gegenmaßnahmen bei Gesundheitsbedrohungen
  • Umsetzung des Europäischen Plans zur Krebsbekämpfung (Europe's Beating Cancer Plan)
  • Digitale Kompetenzen von Gesundheitsfachkräften und Interoperabilität von Gesundheitsdaten
  • Förderung psychischer Gesundheit und Abbau von Versorgungsungleichheiten
  • Stärkung der primären Gesundheitsversorgung in unterversorgten Regionen
  • Maßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (AMR)

Ergänzung durch weitere EU-Programme

EU4Health ist Teil eines breiteren Ökosystems europäischer Förderprogramme. Das Programm InvestEU, das Digitale Europa Programm sowie der Europäische Sozialfonds+ (ESF+) ergänzen EU4Health in angrenzenden Bereichen. Für Forschungsförderung im engeren Sinne ist Horizon Europe Cluster 1 das zentrale Instrument.

Bedeutung für deutsche Gesundheitsakteure

Deutsche Ministerien, Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Gesundheitseinrichtungen können sich an EU4Health-Ausschreibungen beteiligen. Die Nationale Kontaktstelle EU4Health (NKS EU4Health) unter nks-eu4health.de bietet kostenlose Beratung und informiert über aktuelle Förderungen.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist auf nationaler Ebene zuständig für die inhaltliche Begleitung des Programms. Es koordiniert die deutsche Beteiligung an EU-Gesundheitsinitiativen und vertritt Deutschland in relevanten EU-Gremien.

Für Familien und Einzelpersonen sind eher die nationalen Programme relevant, die durch EU4Health mitfinanziert werden. Dazu gehören Informationskampagnen zur Krebsvorsorge sowie Projekte zur Förderung der Gesundheitsprävention in der Bevölkerung.

Ausblick: Evaluation und Nachfolgeprogramm

Die Europäische Kommission hat 2025 eine Zwischenevaluation von EU4Health abgeschlossen. Der Evaluierungsbericht wurde im Frühjahr 2026 veröffentlicht. Gleichzeitig hat die Kommission im Mai 2026 eine Konsultation zu den Prioritäten für EU4Health 2027 und ein mögliches Nachfolgeprogramm eingeleitet.

Hinweis zur Programmänderung

EU4Health endet mit dem Mehrjährigen Finanzrahmen 2021-2027. Die Ausgestaltung eines Nachfolgeprogramms ab 2028 ist noch nicht abschliessend entschieden. Organisationen, die langfristige Projekte planen, sollten die Entwicklungen auf den Websites der Europäischen Kommission und der HaDEA verfolgen.

Häufige Fragen zu EU4Health

Was ist EU4Health und warum wurde es eingeführt?

EU4Health ist das Aktionsprogramm der EU im Bereich Gesundheit für den Zeitraum 2021 bis 2027. Es wurde als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie ins Leben gerufen, um die Widerstandsfähigkeit europäischer Gesundheitssysteme zu stärken und die Krisenvorsorge zu verbessern.

Wie hoch ist das Gesamtbudget von EU4Health?

Nach der Revision des Mehrjährigen Finanzrahmens beträgt das Budget von EU4Health rund 4,4 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2027. Ursprünglich waren 5,3 Milliarden Euro vorgesehen.

Wer kann Förderanträge über EU4Health stellen?

Förderfähig sind Gesundheitsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen, Behörden und andere förderfähige Einrichtungen aus EU-Mitgliedstaaten sowie aus dem Programm assoziierten Ländern wie Norwegen, Island, Ukraine und Moldau.

Welche Behörde verwaltet EU4Health?

Die Europäische Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HaDEA) ist für die Durchführung des Programms zuständig. Sie veröffentlicht Ausschreibungen und verwaltet die Finanzhilfevereinbarungen.

Welche Themen werden durch EU4Health gefördert?

EU4Health fördert Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung insbesondere bei Krebs, Bekämpfung grenzüberschreitender Gesundheitsgefahren, die Umsetzung der EU-Arzneimittelstrategie sowie die Stärkung der Gesundheitssysteme und des Gesundheitspersonals.

Wie unterscheidet sich EU4Health von Horizon Europe Gesundheit?

EU4Health fördert primär Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit, Politikentwicklung und Kapazitätsaufbau. Horizon Europe Cluster 1 finanziert dagegen Forschungs- und Innovationsprojekte. Beide Programme ergänzen sich und können in Teilbereichen gemeinsam genutzt werden.

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