Horizon Europe Gesundheit 2026: Cluster 1 Förderung und Antragstellung
Das EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe stellt im Cluster 1 "Gesundheit" für die Jahre 2026 und 2027 rund 1,4 Milliarden Euro bereit. Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen aus Deutschland und Europa können sich um Projektförderung bewerben. Dieser Artikel erklärt, welche Themen gefördert werden, wie der Antrag abläuft und wo Sie Beratung erhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesamtbudget 2026/2027: rund 1,423 Milliarden Euro
- Themen: Klimawandel und Gesundheit, mentale Gesundheit, Onkologie, personalisierte Medizin
- Antragstellung über das Funding and Tenders Portal der EU
- Nationale Kontaktstelle (NKS) Gesundheit bietet kostenlose Beratung in Deutschland
- Förderquote: bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten

Was ist Horizon Europe und Cluster 1 Gesundheit?
Horizon Europe ist das neunte und bislang größte Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. Mit einem Gesamtbudget von rund 95,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2027 finanziert es grundlegende und angewandte Forschung sowie Innovationsprojekte in ganz Europa. Das Programm ist in verschiedene Cluster gegliedert, die jeweils einen inhaltlichen Schwerpunkt abdecken.
Cluster 1 ist vollständig dem Thema Gesundheit gewidmet. Er adressiert die gesellschaftlichen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung und medizinischen Forschung und ist damit ein zentraler Baustein des Programms. Ziel ist es, die Gesundheit der europäischen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern, Krankheiten zu verstehen und zu behandeln sowie die Gesundheitssysteme widerstandsfähiger und zugänglicher zu machen.
Für die Jahre 2026 und 2027 hat die Europäische Kommission ein vorläufiges Arbeitsprogramm veröffentlicht, das die förderfähigen Themen und die Ausschreibungsmodalitäten beschreibt. Das finale Arbeitsprogramm wurde Ende 2025 erwartet; erste Calls sind für das Frühjahr 2026 geplant.
Förderthemen 2026 im Cluster Gesundheit
Das Arbeitsprogramm 2026/2027 setzt inhaltliche Schwerpunkte, die aktuelle Herausforderungen widerspiegeln. Folgende Bereiche stehen im Fokus:
- Auswirkungen von Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artenverlusts auf die Gesundheit und die Gesundheitssysteme
- Mentale Gesundheit, insbesondere Schutz von Kindern und Jugendlichen vor negativen Einflüssen digitaler Technologien
- Förderung gesunder Lebensweisen, besonders bei jungen Menschen
- Unterstützung spezifischer Gruppen, etwa Menschen mit Behinderungen
- Onkologische Forschung im Rahmen der EU-Krebsmission (Mission Cancer)
- Infektionskrankheiten, Antibiotikaresistenzen und Pandemievorsorge
Neben den direkten Ausschreibungen im Cluster 1 gibt es ergänzende Fördermöglichkeiten im Rahmen europäischer Partnerschaften, an denen sich nationale Forschungsorganisationen beteiligen. Diese öffentlich-öffentlichen und öffentlich-privaten Partnerschaften ergänzen das reguläre Antragswesen.
Überblick: Projekttypen und Förderkonditionen
| Projekttyp | Kürzel | Förderquote | Typische Laufzeit |
|---|---|---|---|
| Forschungs- und Innovationsprojekt | RIA | Bis zu 100 % | 4 bis 5 Jahre |
| Innovationsprojekt | IA | 70 % (Unternehmen), 100 % (Forschung) | 3 bis 4 Jahre |
| Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahmen | CSA | Bis zu 100 % | 2 bis 3 Jahre |
| Europäische Forschungsinfrastruktur | ERI | Je nach Aufruf | Langfristig |
Wie funktioniert die Antragstellung?
Die Antragstellung für Horizon-Europe-Projekte erfolgt ausschließlich online über das Funding and Tenders Portal der Europäischen Kommission. Der Prozess ist standardisiert und umfasst typischerweise folgende Phasen:
- 1
Registrierung und Vorbereitung
Alle Projektteilnehmer müssen sich im Teilnehmerportal registrieren und eine PIC-Nummer (Participant Identification Code) erhalten. Die Organisation validiert ihre Stammdaten einmalig.
- 2
Konsortiumberbildung
Horizont-Europe-Projekte setzen in der Regel mindestens drei Partner aus drei verschiedenen EU- oder assoziierten Ländern voraus. Die Suche nach Partnern wird unter anderem über das Enterprise Europe Network (EEN) unterstützt.
- 3
Einreichung des Antrags
Je nach Ausschreibung ist ein ein- oder zweistufiges Verfahren vorgesehen. Beim zweistufigen Verfahren reichen Konsortien zunächst eine Kurzskizze ein; nur erfolgreich bewertete Einreichungen werden zur vollständigen Antragstellung aufgefordert.
- 4
Begutachtung und Förderentscheidung
Externe Gutachter bewerten die Anträge anhand der Kriterien Exzellenz, Wirkung und Qualität der Umsetzung. Nach der Begutachtung folgen Vertragsverhandlungen und der Abschluss einer Finanzhilfevereinbarung (Grant Agreement).
Nationale Kontaktstellen und Beratungsangebote in Deutschland
Für deutsche Einrichtungen steht ein umfassendes Netz an Beratungsangeboten zur Verfügung. Die Nationale Kontaktstelle (NKS) Gesundheit ist die erste Anlaufstelle für Antragsteller aus Deutschland. Sie berät kostenlos und vertraulich zu Ausschreibungen, Antragsmodalitäten und Konsortialpartnern.
- NKS Gesundheit (nksgesundheit.de): Ausschreibungsübersichten, Infoveranstaltungen, individuelle Beratung
- Steinbeis Europa Zentrum: Innovationsberatung mit Fokus auf internationale Märkte und EU-Forschungsförderung
- Enterprise Europe Network (EEN): Internationale Partnersuche für Forschungskonsortien
- Horizont-Europa-Portal des BMFTR (horizont-europa.de): Zentrale Informationsplattform für Deutschland
- Projektträger der DLR: Administrative Unterstützung und nationale Kofinanzierungsprogramme
Regelmäßige Info-Days der NKS Gesundheit geben einen Überblick über die aktuellen Calls und bieten Gelegenheit für den direkten Austausch mit Programmverantwortlichen der Europäischen Kommission.
Besonderheiten der Antragstellung im Gesundheitsbereich
Im Vergleich zu anderen Clustern weist Cluster 1 Gesundheit einige Besonderheiten auf, die Antragsteller berücksichtigen sollten:
Ethische Anforderungen
Projekte mit humanbiologischem Material, Patientendaten oder klinischen Studien unterliegen strengen ethischen Auflagen. Bereits im Antrag sind ein Ethik-Selbstcheck sowie ggf. ein detailliertes Ethik-Statement einzureichen. Klinische Studien müssen in einem anerkannten Register erfasst sein.
Open Access und Open Data
In Horizon Europe gilt eine verbindliche Open-Access-Pflicht für begutachtete Publikationen. Forschungsdaten sind nach dem Prinzip "so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig" zu managen. Ein Datenmanagementplan (DMP) ist verpflichtend.
Ergänzend zu Cluster 1 bietet die EU im Rahmen der Krebsmission (Mission Cancer) und der EU4Health-Programms weitere Förderpfade für Gesundheitsthemen an. Es empfiehlt sich, vor der Antragstellung zu prüfen, welches Instrument am besten zur geplanten Aktivität passt. Mehr dazu lesen Sie im Artikel zum EU4Health-Programm.
Horizon Europe und die Deutsche Gesundheitsforschung
Deutschland zählt zu den führenden Nationen bei der Einwerbung von Horizon-Europe-Mitteln. Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck-Institute sowie zahlreiche Universitätskliniken sind regelmäßig an geförderten Konsortien beteiligt.
Nationale Verbünde wie das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) oder das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) schaffen strukturelle Voraussetzungen, um als starke Partner in europaweite Konsortien einzutreten.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt die Beteiligung deutschen Einrichtungen durch flankierende Maßnahmen, darunter das Programm zur Koordinierung und Vernetzung nationaler Akteure sowie Kofinanzierungsoptionen in bestimmten Partnerschaftsprogrammen.
Häufige Fragen zu Horizon Europe Gesundheit
Wie viel Budget steht im Cluster 1 Gesundheit 2026/2027 zur Verfügung?
Für die Arbeitsprogramme 2026 und 2027 stellt die Europäische Kommission im Cluster 1 "Gesundheit" insgesamt rund 1,423 Milliarden Euro bereit. Dies entspricht einem der größten Einzelbudgets innerhalb von Horizon Europe.
Wer kann Förderanträge im Cluster 1 stellen?
Antragsberechtigt sind Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Organisationen aus EU-Mitgliedstaaten sowie aus assoziierten Ländern. Konsortien müssen in der Regel mindestens drei unabhängige Partner aus drei verschiedenen Ländern umfassen.
Welche Gesundheitsthemen werden 2026 vorrangig gefördert?
Schwerpunkte sind: Auswirkungen von Klimawandel und Umweltverschmutzung auf die Gesundheit, mentale Gesundheit insbesondere bei Kindern und Jugendlichen im digitalen Umfeld, Unterstützung von Menschen mit Behinderungen sowie personalisierte Medizin und innovative Diagnostik.
Wo werden die aktuellen Ausschreibungen veröffentlicht?
Alle offenen Calls sind im Funding and Tenders Portal der Europäischen Kommission (ec.europa.eu/info/funding-tenders) zu finden. Die Nationale Kontaktstelle (NKS) Gesundheit unter nksgesundheit.de bietet zusätzlich deutschsprachige Übersichten und Beratung.
Was ist der Unterschied zwischen einstufigen und zweistufigen Verfahren?
Einstufige Verfahren (Single Stage) erfordern einen vollständigen Antrag in einem Schritt. Zweistufige Verfahren (Two Stage) beginnen mit einer kurzen Kurzskizze; nur ausgewählte Einreichungen werden zur vollständigen Antragstellung eingeladen. Dies spart Aufwand bei nicht förderfähigen Konzepten.
Welche Förderquote gilt für Forschungsprojekte in Horizon Europe?
Forschungs- und Innovationsprojekte werden in der Regel mit 100 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. Bei Innovationsprojekten, an denen Unternehmen beteiligt sind, beträgt der Satz für gewinnorientierte Einrichtungen standardmäßig 70 Prozent.
Offizielle Quellen: Funding and Tenders Portal der EU-Kommission | NKS Gesundheit Deutschland