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DZKJ – Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit: Forschung für ein gesundes Leben

Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) bündelt an sieben Standorten die Forschung zu Krankheiten und gesunder Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Als jüngstes der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung erhält es 30 Millionen Euro für die Aufbauphase. Dieser Artikel erklärt Struktur, Forschungsschwerpunkte und die Bedeutung des DZKJ.

Das Wichtigste in Kürze

  • Start: Aufbauphase seit Juni 2024, gefördert mit 30 Mio. Euro durch BMBF/BMFTR
  • 7 Partnerstandorte: Berlin, Göttingen, Greifswald/Rostock, Hamburg, Leipzig/Dresden, München, Ulm
  • Fokus: seltene Erkrankungen, Prävention, neurologische und chronisch-entzündliche Erkrankungen
  • DZKJ-Akademie: Nachwuchsförderung und interdisziplinäre Forschungsausbildung
  • Teil der DZG-Familie: Zusammenarbeit mit DZPG, DKFZ, DZHK u.a.
Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit
Forschungszentrum für Kinder- und Jugendgesundheit mit modernem Labor und kollaborativer Forschungsumgebung. Bild: KI generiert

Warum ein eigenes Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit?

Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. Das vorhandene medizinische Wissen, einschließlich vieler Medikamentenzulassungen und Therapieempfehlungen, basiert überwiegend auf Studien mit Erwachsenen. Die Übertragbarkeit auf Kinder ist jedoch aufgrund der besonderen Entwicklungsbiologie, Pharmakologie und psychosozialen Dynamik eingeschränkt.

Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) schließt diese Lücke. Es wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF, heute BMFTR) gegründet und startete im Juni 2024 in die zweijährige Aufbauphase. Im Februar 2026 bestätigte das BMFTR das Engagement beim Tag der Seltenen Erkrankungen.

Kindheit und Jugend sind entscheidende Entwicklungsabschnitte, in denen grundlegende Weichen für die Gesundheit des gesamten Lebens gestellt werden. Das DZKJ will die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen langfristig verbessern und dazu beitragen, Erkrankungen früher zu erkennen und besser zu behandeln.

Die sieben Standorte des DZKJ

Das DZKJ bündelt die fachliche Kompetenz von Universitätskliniken und Universitäten an sieben Partnerstandorten. Neben Universitätskliniken sind auch Max-Planck-Institute, Fraunhofer-Institute und Helmholtz- sowie Leibniz-Zentren beteiligt:

StandortForschungsschwerpunktBeteiligte Partner (Auswahl)
BerlinSeltene genetische Erkrankungen, chronisch-entzündliche Erkrankungen, KICharité, Berlin Institute of Health, MDC, DRFZ
GöttingenNeurologische Erkrankungen, ZNS-Entwicklung und -StörungenUniversitätsmedizin Göttingen, Max-Planck-Institut, Fraunhofer ITMP
Greifswald/RostockCommunity Medicine, Prävention, soziale TeilhabeUniversitätsmedizin Greifswald und Rostock
HamburgTranslationale Pädiatrie, klinische StudienUKE Hamburg
Leipzig/DresdenEntwicklungsbiologie, PerinatologieUniversität Leipzig, TU Dresden
MünchenImmunologie, chronische Erkrankungen, digitale GesundheitLMU München, TU München
UlmSeltene Erkrankungen, neonatale MedizinUniversitätsklinikum Ulm

Forschungsprioritäten in der Aufbauphase

Während der zweijährigen Aufbauphase liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieverfahren sowie auf der Prävention unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen:

  • Seltene genetische Erkrankungen: Aufbau gemeinsamer Patientenkohorten und Biobanken für seltene Kinderkrankheiten
  • Chronisch-entzündliche Erkrankungen: Juvenile Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen
  • Frühe Determinanten: Wie prägen Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit die spätere Gesundheit?
  • Neurologie: Epilepsie, Entwicklungsstörungen, ZNS-Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter
  • Prävention: Übergewicht, soziale Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung, Telemedizin

Förderstruktur und Finanzierung

Die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung werden grundsätzlich durch den Bund, in der Regel das BMFTR, in Kombination mit Länderfinanzierung aufgebaut. Das DZKJ erhielt für seine Aufbauphase 30 Millionen Euro.

Langfristige institutionelle Förderung geplant

Nach der Aufbauphase ist eine langfristige institutionelle Förderung nach dem Vorbild der etablierten DZGs vorgesehen. Dies soll dem DZKJ Planungssicherheit geben und nachhaltige Strukturen für die Kinder- und Jugendgesundheitsforschung schaffen.

Ergänzend zur institutionellen Förderung werben die DZKJ-Standorte Drittmittel ein: über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das BMFTR-Rahmenprogramm Gesundheitsforschung sowie auf europäischer Ebene über Horizon Europe Cluster 1.

DZKJ-Akademie: Nachwuchsförderung als zentrales Anliegen

Ein zentrales Anliegen des DZKJ ist die Förderung exzellenter Nachwuchskräfte im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit. Die DZKJ-Akademie bündelt Programme für Wissenschaftler und Mediziner und fördert den Austausch zwischen den Standorten:

  • Strukturierte Doktorandenprogramme an den Partnerstandorten
  • Mentoring-Programme für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler
  • Interdisziplinäre Sommerschulen und Workshops
  • Karriereentwicklung für ärztliche und wissenschaftliche Nachwuchskräfte
  • Förderung von Frauen in der medizinischen Forschung

Einordnung: DZKJ und die DZG-Familie

Das DZKJ ist Teil der acht Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es kooperiert insbesondere mit dem Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) in der Erforschung psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen. Beide Zentren haben komplementäre Schwerpunkte: Das DZPG fokussiert auf psychische Erkrankungen aller Altersgruppen, das DZKJ auf die gesamte Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Seltene Erkrankungen: Schwerpunkt am Tag der Seltenen Erkrankungen 2026

Am 28. Februar 2026, dem Internationalen Tag der Seltenen Erkrankungen, haben BMFTR und BMG das besondere Engagement des DZKJ für seltene Kinderkrankheiten hervorgehoben. Vier von zehn seltenen Erkrankungen betreffen Kinder und Jugendliche; viele haben genetische Ursachen.

Eltern, deren Kinder unter seltenen Erkrankungen leiden, erhalten Unterstützung durch die DZKJ-Standorte sowie durch Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE) an deutschen Universitätskliniken. Finanzielle Unterstützung für pflegende Eltern bieten unter anderem Kinderkrankengeld und Pflegegeld je nach Schwere der Erkrankung.

Häufige Fragen zum DZKJ

Was ist das DZKJ und wann wurde es gegründet?

Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) ist ein bundesweites Forschungsnetzwerk, das im Juni 2024 in die Aufbauphase gestartet ist. Es ist das jüngste der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Wie viele Standorte hat das DZKJ?

Das DZKJ umfasst sieben Partnerstandorte: Berlin, Göttingen, Greifswald/Rostock, Hamburg, Leipzig/Dresden, München und Ulm. Jeder Standort bringt spezifische Forschungsexpertise ein und ist mit regionalen Universitätskliniken und außeruniversitären Forschungseinrichtungen vernetzt.

Welche Fördermittel erhält das DZKJ?

Die zweijährige Aufbauphase wird mit insgesamt 30 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, heute BMFTR) gefördert. Im Anschluss ist eine langfristige institutionelle Förderung vorgesehen.

Warum brauchen Kinder ein eigenes Forschungszentrum?

Das vorhandene medizinische Wissen ist primär auf den erwachsenen Menschen ausgerichtet. Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen: Ihre physiologischen, entwicklungsbiologischen und pharmakologischen Besonderheiten erfordern eigene Forschungsansätze, eigene klinische Studien und eigene Therapieentwicklungen.

Welche Forschungsthemen stehen im Fokus des DZKJ?

Das DZKJ erforscht seltene genetische Erkrankungen, chronisch-entzündliche Erkrankungen, frühe Determinanten einer gesunden Entwicklung, neurologische Erkrankungen im Kindesalter, soziale und regionale Ungleichheiten in der Kindergesundheit sowie Prävention und neue Diagnoseverfahren.

Wie profitieren Familien vom DZKJ?

Mittelbar profitieren Familien, wenn neue DZKJ-Forschungsergebnisse in bessere Diagnose- und Behandlungsverfahren für kranke Kinder münden. Die DZKJ-Akademie fördert Nachwuchskräfte, die die nächste Generation von Kinderärzten und Kinderforschern ausbilden.

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