Digitalisierung im Sozialwesen Aktualisiert Mai 2026

DigiWohl – Digitalisierungsprogramm für die Freie Wohlfahrtspflege (ESF Plus)

Auf einen Blick

DigiWohl ist ein aus dem ESF Plus kofinanziertes Bundesprogramm unter Federführung des BMBFSFJ. Es fördert gemeinnützige Träger der Freien Wohlfahrtspflege dabei, digitale Lösungen in die direkte Arbeit mit Klientinnen und Klienten zu integrieren. Projekte müssen alle drei Handlungsfelder (Technik, Fachlichkeit, Organisation) verbinden.

Digitale Transformation in der Wohlfahrtspflege
DigiWohl fördert gemeinnützige Träger der Freien Wohlfahrtspflege bei der Entwicklung digitaler Lösungen für soziale Dienstleistungen – kofinanziert durch den ESF Plus. Bild: KI generiert

Die Freie Wohlfahrtspflege in Deutschland – mit rund 2,1 Millionen hauptamtlich Beschäftigten und geschätzt 3 Millionen Ehrenamtlichen – erbringt ein breites Spektrum sozialer Dienstleistungen. Doch demografischer Wandel, Fachkräftemangel und multiple Krisen setzen das soziale System zunehmend unter Druck. Digitalisierung kann helfen, Effizienz zu steigern, neue Zugangswege zu schaffen und den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Das Programm DigiWohl schafft hierfür einen gezielten Förderrahmen: Es unterstützt gemeinnützige Träger bei der Entwicklung und Erprobung praxistauglicher digitaler Lösungen – mit dem klaren Anspruch, nachhaltige Wirkung im Regelbetrieb zu entfalten.

Hintergrund: Warum Digitalisierung in der Wohlfahrtspflege?

Soziale Dienstleistungen in Deutschland sind oft noch wenig digital. Während in anderen Branchen digitale Prozesse selbstverständlich geworden sind, hinkt das Sozialwesen häufig hinterher. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Ressourcenmangel, Unsicherheit über den richtigen Einsatz digitaler Werkzeuge und die besondere Sensibilität sozialer Arbeit.

Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Klientinnen und Klienten: Jüngere Generationen erwarten digitale Zugänge zu Beratungsangeboten. Ältere Menschen benötigen niedrigschwellige digitale Wege. Und Organisationen brauchen effizientere Arbeitsabläufe, um mit weniger Personal mehr leisten zu können.

Rechtsgrundlage und Zuständigkeit

Die Förderrichtlinie "Stärkung sozialer Dienste der Freien Wohlfahrtspflege mittels Digitalisierung (DigiWohl)" wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) veröffentlicht. Das Programm ist aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) kofinanziert und Teil des ESF Plus-Bundesprogramms 2021–2027.

Die drei Handlungsfelder von DigiWohl

Ein DigiWohl-Projekt muss alle drei der folgenden Handlungsfelder adressieren und miteinander verbinden. Projekte, die nur einzelne Felder bedienen, sind nicht förderfähig.

HandlungsfeldInhaltBeispiele
Technische UmsetzungEinführung oder Entwicklung digitaler Lösungen für soziale DiensteApps, Portale, digitale Dokumentation, Videoberatung
Fachlich-inhaltliche IntegrationEinbettung digitaler Lösungen in bestehende Fachkonzepte der sozialen ArbeitKonzeptentwicklung, Schulungen, Prozessanpassungen
Organisatorische und soziale EinbettungBerücksichtigung der Bedarfe von Mitarbeitenden und Klientinnen und KlientenBeteiligung der Belegschaft, Barrierefreiheit, Datenschutz

Wer ist antragsberechtigt?

DigiWohl richtet sich ausschliesslich an gemeinnützige Verbände und Träger der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Die folgenden Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Gemeinnütziger Status gemäß Abgabenordnung (AO)
  • Zugehörigkeit zu einem der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege (AWO, Caritas, Diakonie, DRK, Der Paritätische, ZWST) oder Einbettung in deren Strukturen
  • Sitz und Projektumsetzung in Deutschland
  • Adressierung aller drei Handlungsfelder im Projektkonzept
  • Nachweis eines echten Digitalisierungsbedarfs in der eigenen Arbeit mit Klientinnen und Klienten

Nur Freie Wohlfahrtspflege

DigiWohl ist ausdrücklich auf die Freie Wohlfahrtspflege ausgerichtet. Privatwirtschaftliche Unternehmen, öffentliche Träger oder gemeinnützige Organisationen ohne Wohlfahrtsverbandszugehörigkeit können im Rahmen dieses spezifischen Programms keine Anträge stellen. Für diese Zielgruppen gibt es andere ESF Plus-Förderprogramme.

Ziele und Wirkungsanspruch von DigiWohl

DigiWohl ist als Modellprogramm konzipiert. Es geht nicht nur darum, Einzelprojekte zu finanzieren, sondern Erkenntnisse zu generieren, die für die gesamte Wohlfahrtspflege in Deutschland nutzbar sind.

  • Neue, einfachere Zugänge zu sozialen Dienstleistungen schaffen, die digitale Lebenswelten berücksichtigen
  • Dem Risiko des digitalen und sozialen Ausschlusses entgegenwirken, besonders bei vulnerablen Gruppen
  • Tragfähige Ansätze zur Verstetigung von Ergebnissen im Regelbetrieb identifizieren
  • Erkenntnisse für die bundesweite Förderung der Zukunftsfähigkeit der Freien Wohlfahrtspflege generieren

Digitaler Ausschluss als Querschnittsthema

DigiWohl nimmt auch das Risiko des digitalen Ausschlusses ernst. Projekte sollen nicht nur digitale Prozesse einführen, sondern sicherstellen, dass Klientinnen und Klienten, die nicht über die notwendigen digitalen Fähigkeiten verfügen, nicht ausgegrenzt werden. Barrierefreiheit und Niedrigschwelligkeit sind zentrale Qualitätskriterien.

Ergänzende Fördermöglichkeiten für soziale Einrichtungen

Neben DigiWohl gibt es weitere Fördermöglichkeiten für soziale Einrichtungen, die Digitalisierungsvorhaben umsetzen möchten oder ergänzende Unterstützung benötigen.

Einen Überblick über weitere relevante ESF Plus-Programme bietet die Seite ESF Plus Digitalisierung Sozialwesen. Für regionale Förderung in Brandenburg empfiehlt sich der ESF Plus Brandenburg.

Für soziale Projekte gemeinnütziger Träger, die nicht unter den ESF Plus fallen, bietet die Deutsche Fernsehlotterie einen eigenen Digitalisierungs-Förderbaustein mit Fokus auf Selbstwirksamkeit und soziale Teilhabe.

Häufige Fragen zu DigiWohl

Was ist DigiWohl?

DigiWohl ist ein Bundesprogramm, das aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) kofinanziert wird und unter der Zuständigkeit des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) steht. Es fördert gemeinnützige Träger der Freien Wohlfahrtspflege bei der Entwicklung und Erprobung digitaler Lösungen für soziale Dienstleistungen.

Wer kann DigiWohl beantragen?

Antragsberechtigt sind gemeinnützige Verbände und Träger der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Dazu zählen Organisationen, die zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege gehören oder in deren Strukturen eingebettet sind: AWO, Caritas, Diakonie, DRK, Der Paritätische und ZWST.

Was sind die drei Handlungsfelder von DigiWohl?

Ein DigiWohl-Projekt muss alle drei Handlungsfelder adressieren und miteinander verbinden: (1) Technische Umsetzung: Entwicklung oder Einführung digitaler Lösungen; (2) Fachlich-inhaltliche Integration: Einbettung digitaler Lösungen in bestehende Fachkonzepte; (3) Organisatorische und soziale Einbettung: Verankerung der digitalen Lösungen in der Organisation und Berücksichtigung der Bedarfe von Mitarbeitenden und Klientinnen und Klienten.

Welche Zielgruppen stehen im Mittelpunkt von DigiWohl?

DigiWohl richtet sich auf die klassischen Zielgruppen der Freien Wohlfahrtspflege: Kinder und Jugendliche, Familien, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Geflüchtete und andere Personen mit Hilfebedarf. Die digitalen Lösungen sollen unmittelbar in die Arbeit mit diesen Zielgruppen integriert werden.

Was ist das Ziel von DigiWohl?

DigiWohl soll gemeinnützige Träger der Freien Wohlfahrtspflege in die Lage versetzen, digitale Lösungen effektiver und stärker in die direkte Arbeit mit Klientinnen und Klienten zu integrieren. Gleichzeitig soll das Programm tragfähige Ansätze zur Verstetigung von Ergebnissen im Regelbetrieb identifizieren und Erkenntnisse für die Förderung der Zukunftsfähigkeit der Wohlfahrtspflege generieren.

Ist DigiWohl auf digitale Hardware beschränkt?

Nein, DigiWohl geht weit über die Anschaffung von Hardware hinaus. Im Mittelpunkt stehen Prozesse, Konzepte und Ansätze der digitalen Transformation. Das Programm fördert die inhaltliche, fachliche und organisatorische Auseinandersetzung mit Digitalisierung – nicht nur die technische Ausstattung.

Verwandte Förderangebote