Soziale Einrichtungen stehen vor einem doppelten Druck: Demografischer Wandel und Fachkräftemangel erhöhen die Anforderungen an die Erbringung sozialer Dienstleistungen, während gleichzeitig die Erwartungen an Qualität und Effizienz steigen. Digitale Lösungen können hier erheblich entlasten – vorausgesetzt, soziale Organisationen werden bei der Einführung und Nutzung dieser Lösungen gezielt unterstützt.
Der ESF Plus bietet hierfür einen wichtigen Förderrahmen. Über verschiedene Bundesprogramme und ergänzende Landesförderprogramme werden soziale und gemeinnützige Träger bei der digitalen Transformation unterstützt.
Was ist der ESF Plus und wie funktioniert er?
Der Europäische Sozialfonds Plus (ESF Plus) ist das wichtigste EU-Instrument zur Förderung von Beschäftigung, sozialer Inklusion und Bildung in Europa. Für die Förderperiode 2021–2027 stehen in Deutschland allein aus dem EU-Haushalt mehrere Milliarden Euro zur Verfügung, die durch nationale Mittel kofinanziert werden.
Das ESF Plus-Bundesprogramm wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) koordiniert und umfasst vier Förderschwerpunkte: Beschäftigung, soziale Inklusion, Bildung und soziale Innovationen. Digitalisierungsprojekte finden sich vor allem in den Bereichen Beschäftigung und soziale Innovationen.
ESF Plus in Deutschland 2021–2027
Das ESF Plus-Bundesprogramm war das erste ESF Plus-Programm in der Europäischen Union, das von der Europäischen Kommission genehmigt wurde (Mai 2022). Die vier Förderprioritäten sind: Beschäftigung, soziale Inklusion, Bildung und soziale Innovationen. Ausführliche Programminformationen finden Sie auf der offiziellen Website esf.de.
Relevante ESF Plus-Programme für Digitalisierung im Sozialwesen
Innerhalb des ESF Plus-Bundesprogramms gibt es mehrere Programme mit direktem Digitalisierungsbezug für soziale Einrichtungen:
| Programm | Zuständigkeit | Zielgruppe | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| DigiWohl | BMBFSFJ | Freie Wohlfahrtspflege | Erprobung digitaler Lösungen in der Sozialarbeit |
| Zukunftszentren | BMAS | KMU, Sozialunternehmen | Digitaler Wandel in Regionen, Laufzeit bis Ende 2026 |
| KOMPASS | BMAS | Arbeitnehmer | Qualifizierungen inkl. Digitalkompetenz, bis 4.500 Euro |
| rückenwind³ | BMAS | Fachkräfte Wohlfahrtspflege | Fachkräftesicherung, auch digitale Qualifizierung |
Was kann mit ESF Plus-Mitteln für Digitalisierung gefördert werden?
Je nach Programm variieren die förderfähigen Maßnahmen. Im Bereich Digitalisierung des Sozialwesens sind typischerweise folgende Vorhaben förderfähig:
- Entwicklung und Erprobung digitaler Lösungen für die direkte Arbeit mit Klientinnen und Klienten
- Schulung und Qualifizierung von Mitarbeitenden in sozialen Einrichtungen im Bereich digitale Kompetenzen
- Einführung digitaler Dokumentations- und Kommunikationssysteme in sozialen Diensten
- Entwicklung digitaler Zugänge zu sozialen Dienstleistungen für benachteiligte Zielgruppen
- Beratung und Begleitung bei der organisatorischen Digitaltransformation in sozialen Einrichtungen
- Maßnahmen gegen digitalen Ausschluss von Klientinnen und Klienten sozialer Dienste
Drei Handlungsfelder bei DigiWohl
Das DigiWohl-Programm verlangt, dass Projekte alle drei Handlungsfelder adressieren: technische Umsetzung digitaler Lösungen, fachlich-inhaltliche Integration sowie organisatorische und soziale Einbettung. Nur Projekte, die alle drei Dimensionen verbinden, sind förderfähig.
Voraussetzungen für eine ESF Plus-Förderung
Die genauen Voraussetzungen hängen vom jeweiligen Programm ab. Übergreifend gelten jedoch folgende Grundanforderungen:
- Gemeinnütziger Status der antragstellenden Organisation
- Zugehörigkeit zur Freien Wohlfahrtspflege (bei DigiWohl und ähnlichen Programmen)
- Klarer Digitalisierungsbezug des Projekts mit nachweisbarem Nutzen für die Zielgruppe
- Kofinanzierung: Ein bestimmter Anteil der Gesamtkosten muss aus eigenen oder anderen Mitteln gedeckt werden
- Verpflichtung zur Dokumentation und Evaluation der Projektergebnisse
Kein direkter Zugang für Einzelpersonen
Der ESF Plus fördert in der Regel Projekte und Organisationen, nicht direkt Einzelpersonen. Wenn Sie als Einzelperson digitale Qualifizierungen in Anspruch nehmen möchten, wenden Sie sich an Projektträger in Ihrer Region, die an ESF Plus-Projekten teilnehmen.
ESF Plus-Förderung auf Landesebene: Brandenburg und Hessen
Neben dem Bundesprogramm setzen die Bundesländer eigene ESF Plus-Programme um. Diese können ebenfalls Digitalisierungsschwerpunkte enthalten.
In Brandenburg umfasst das ESF Plus-Programm vier Prioritäten, darunter soziale Inklusion. Das Programm ESF Plus Brandenburg enthält Richtlinien zur Weiterbildung und Qualifizierung, die auch digitale Kompetenzen umfassen können.
In Hessen stehen aus dem ESF Plus Hessen rund 423 Millionen Euro für die Förderperiode 2021–2027 bereit. Schwerpunkte sind Beschäftigung, Bildung und aktive Inklusion.
Häufige Fragen zum ESF Plus und Digitalisierung im Sozialwesen
Fördert der ESF Plus gezielt die Digitalisierung im Sozialwesen?
Ja, innerhalb des ESF Plus-Bundesprogramms 2021–2027 gibt es spezifische Förderprogramme für die Digitalisierung im Sozial- und Gesundheitswesen. Das bekannteste ist das Programm DigiWohl, das die Freie Wohlfahrtspflege bei der Digitalisierung sozialer Dienste unterstützt. Darüber hinaus fördert das Programm Zukunftszentren Organisationen bei der digitalen Transformation.
Wer kann ESF Plus-Förderung für Digitalisierung beantragen?
Je nach Programm sind unterschiedliche Träger antragsberechtigt. Für DigiWohl kommen gemeinnützige Verbände und Träger der Freien Wohlfahrtspflege in Betracht. Für andere ESF Plus-Programme variiert der Kreis der Antragsberechtigten. In der Regel sind gemeinnützige Organisationen, Wohlfahrtsverbände, soziale Einrichtungen und kommunale Träger förderfähig.
Wie viel Förderung gibt es aus dem ESF Plus für Digitalisierungsprojekte?
Das hängt vom jeweiligen Programm ab. Das ESF Plus-Bundesprogramm umfasst in Deutschland mehrere Milliarden Euro für die Förderperiode 2021–2027. Einzelne Digitalisierungsprogramme wie DigiWohl haben eigene Budgets und Fördersätze. Eine Kofinanzierung durch nationale Mittel ist in der Regel erforderlich.
Was ist der Unterschied zwischen ESF Plus und DigiWohl?
Der ESF Plus (Europäischer Sozialfonds Plus) ist das übergeordnete EU-Finanzierungsinstrument. DigiWohl ist ein spezifisches Bundesprogramm, das aus dem ESF Plus kofinanziert wird. Der ESF Plus gibt den Rahmen und das Geld vor, DigiWohl konkretisiert die Förderbedingungen für die Digitalisierung der Freien Wohlfahrtspflege.
Gibt es ESF Plus-Programme für Digitalisierung auf Länderebene?
Ja, die Bundesländer setzen eigene ESF Plus-Programme auf, die auch Digitalisierungsaspekte enthalten können. In Brandenburg und Hessen beispielsweise gibt es eigene Landesförderprogramme im Rahmen des ESF Plus mit spezifischen Schwerpunkten, die auch die digitale Qualifizierung von Fachkräften im Sozialbereich einschließen können.
Kann auch eine gemeinnützige GmbH ESF Plus-Förderung beantragen?
Grundsätzlich ja, sofern die gemeinnützige GmbH die programmspezifischen Voraussetzungen erfüllt. Bei vielen ESF Plus-Programmen ist die Gemeinnützigkeit im steuerrechtlichen Sinne eine Grundvoraussetzung. Zusätzlich kann eine Mitgliedschaft in einem Wohlfahrtsverband erforderlich sein, wie zum Beispiel bei DigiWohl.
